Ansprache zur Hauptversammlung 2013 über das Jahreslos des CVJM

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ (Psalm 119, 105)

Jahreslos_CVJM_2013

Liebe Schwestern und Brüder des CVJM, liebe Gäste der Hauptversammlung,

ich freue mich, dass auch am Anfang der diesjährigen Hauptversammlung eine kurze biblische Besinnung und das gemeinsame Abendmahl stehen. Sind doch gerade diese Sakramente die Grundlage all unseres Handelns, die Basis auf der der Glaube steht.
Sind es nicht gerade diese Elemente, die uns helfen im Lebens- und Glaubensalltag zurecht zu kommen: Abendmahl, Taufe und Gottes Wort.

Sich von diesem Wort leiten und lenken zu lassen, dazu ermahnt uns Paulus im Kolosser 3, 16 -17: „Lasset das Wort Christ reichlich wohnen unter euch…“; oder in 2. Tim 3,16 „…alle Lehre von Gott eingegeben ist nütze…“ und im Jakobusbrief 1, 22 werden wir ermahnt: „.…seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein…“

Zu all diesen Worten und Bibeltexten, die uns durch unsere Tag begleiten, gehören auch solche Worte, die wir zu besonderen Anlässen erhalten, z.B. zum Geburtstag, zur Taufe, Konfirmation, Trauung usw.
Und vermutlich hat jeder von euch auch am Jahresanfang am Brennenden Kreuz oder im Neujahrsgottesdienst ein persönliches Bibelwort bekommen.
Für mich sind gerade diese Jahresworte schon oft zur Hilfe, zum Halt geworden. Solche Worte wurden mir aber auch nicht selten zur Aufforderung, zur Korrektur in meinem Denken und Handeln.
Solche Jahres-Worte sollen und können auch einen ganzen Verein beeinflussen; immer dann, wenn wir uns darauf einlassen und diese Bibelworte ernsthaft auch als von Gott gegeben/geschenkt ansehen.
Das Bibelwort 2013 für den CVJM steht im Psalm 119, dem längsten der Psalmen.
Hier lässt uns der Psalmschreiber teilnehmen an seinen Lebens- und Gotteserfahrungen. Im
V 105 heißt es:
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und ein Licht auf meinem Weg.“

(als Demonstration wurde Licht ausgelöscht)

Ja, so schnell kann es gehen, – da braucht nur einer den Lichtschalter umzulegen und dann sitzen wir im dunklen Gemeindehaus, haben Mühe uns in der Dunkelheit zurechtzufinden.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, solche Situationen gibt es auch im Leben. Da ist eben noch alles in bester Ordnung in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule, in der Gemeinde und im eigenen Leben.
Und dann, von jetzt auf gleich, kippt alles, die Freude ist weg, der Glaube wankt und schwankt, wenn sich Lebenssituationen abrupt verändern und uns Dunkelheit umgibt.

Ich glaube, ich brauche das nicht näher auszuschmücken – da hat sicherlich jeder schon seine eigenen Erfahrungen gemacht.
Die Frage stellt sich dann: Wie bekomme ich wieder Boden unter die Füße?
Wie kann es wieder so hell werden, dass ich den Weg erkenne und mich wieder zurechtfinde?
Hier gibt uns das CVJM-Bibelwort für 2013 eine Antwort.
Diese gilt zum einen für den Verein, der mit dem heutigen Tag und der Wahl der Ausschussmitglieder sich wieder neu auf den Weg machen muss um Zukunft zu gestalten. Und zum anderen gilt das auch für alle Mitglieder, für jeden ganz persönlich.
Was erkennt und bekennt der Psalmbeter:
Herr „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg“.

bibel-aufgeschlagen

Zwei Gedanken, die ich zu diesem Wort bekommen habe:

1. Hier im Text heißt es: nicht „ein Wort“ – sondern „Dein Wort“.
Das ist zwar nur ein einziger Buchstabe, der jedoch verändert Entscheidendes.
Es ist entscheidend ob es hier ein, mein oder Dein heißt.
Und hier ist von Dein, eben von Gottes Wort die Rede.

So schön und erhebend es ist, dass es inzwischen auch im christlichen Bereich sehr viele gute Bücher, schlaue Sprüche und Worte gibt denke ich doch, genau da laufen wir Gefahr, vor lauter christlicher Literatur die Basis, die Bibel, nicht mehr als Grundquelle zu nutzen. Wir laufen Gefahr, die Bibel als ein Buch unter vielen einzuordnen.
Und dann gibt es noch eine ganze Menge weiterer Bücher, die gefüllt sind mit Lebensweisheiten und philosophischen Gedanken. Auch wenn diese nicht alle falsch sind und für besondere Lebenssituationen durchaus hilfreich sein können, sollten wir die Prioritäten richtig setzen.
Was der Mensch, was wir als Nachfolger Jesu brauchen, sind keine Allgemeinplätze und Menschenweisheiten, was wir brauchen, das sind Worte die über das Leben hinaus reichen.
Worte, die hineinreichen bis in die Ewigkeit, Worte die Ewigkeitswert/Ewigkeitsbestand haben,
Worte die nicht auf Menschenerkenntnissen beruhen.
Wir brauchen das Wort dessen, der die Welt geschaffen hat.
Worte dessen, der Menschen, der dich und mich ins Leben gerufen hat.
Wir brauchen Worte, die Bestand haben auch dann, wenn alles zerbricht und zusammenstürzt. Dann wenn es dunkel, finster oder rabenschwarze Nacht um uns herum oder in uns wird;
Worte die unseren Weg und Lebenspfad erhellen.
Wir brauchen Worte, die verlässlich sind, weil sie von dem stammen, der Gestern, Heute und in Ewigkeit Bestand hat. So lesen wir es im Hebräerbrief 13,8.
Genau dies hat der Psalmbeter erkannt – deshalb sucht er Hilfe und Halt nicht bei irgendwem – sondern er sucht Hilfe, Halt und Wegbeschreibungen in Gottes Wort.

Da könnte ich jetzt einige selbst erfahrene Situationen schildern, wo mir die Worte der Bibel, biblische Berichte zur Hilfe in Alltagssituationen wurden. In Lebensabschnitten, in denen ich in der Bibel gezielt nach biblischen Vorbildern und Begebenheiten gesucht habe, die mit meiner momentanen Situation vergleichbar waren.
Und immer wieder bin ich erstaunt darüber, welche Tipps und Hilfestellungen in diesem Buch der Bücher, in Gottes Wort niedergeschrieben sind.
Vielleicht, so mein Hinweis für die neue Wahlperiode – könnten der Vorstand und der Ausschuss bei Problemstellungen genau diese Lösungsstrategie anwenden. Eben als erstes zu schauen, was Gottes Wort an Beispielen und Lösungshilfen zum anstehenden Problem anbietet, welche Schritte Menschen der Bibel gegangen sind.
Ich will in dieser Beziehung darauf vertrauen und dem glauben, was Paulus im 2. Tim 3,16 sagt: „…denn alle Schrift von Gott eingegeben ist … nütze zur Lehre, zur Ermutigung, zur Zurechtweisung …“.
Ja, wenn wir das Wort Gottes ernst nehmen, dann wird und ist es nicht nur ein Wort, sondern es ist Sein, Gottes Wort – das Wort, das mein Leben lenken und leiten will, das mir meinen Weg erleuchten will. Es ist Sein Wort, das mich vor dem stolpern und fallen bewahren will.
Und dort wo wir es ernst nehmen – wird es zur Bestätigung unserer Wege.

Dort, wo wir es ernst nehmen – wird es uns durchaus auch zur Korrektur, zur Zurechtweisung. Dort, wo wir es auch im Gehorsam ernst nehmen, da wird es auch im persönlichen Bereich zur umfassenden Hilfe, zum Trost in schwierigen Tagen und Situationen.
Ja, es geht letztlich einzig und alleine um sein, um Gottes Wort.

Noch ein Zweites:
Angeklungen ist es schon: Hier heißt es nicht eines Fußes Leuchte, sondern meines Fußes Leuchte. Da geht es nicht um einen, sondern es geht um meinen ganz individuellen Weg.
Auch hier macht ein Buchstabe entscheidendes aus. Es geht nicht um irgendetwas, nicht um irgendwen, sondern es geht um mich, mich ganz persönlich.
Oder wenn ich das Wort für den CVJM nehme, es geht um den Verein und die Wege, Aktivitäten, die auf Vereinsebene, als Gemeinde Jesu Christi, eingeschlagen werden sollen.
Es geht um die Frage, was ist dran, welcher Weg ist zu beschreiten, welche Aktivitäten sind anzugehen, welche Aufgaben erhalten Priorität.
Es geht um beleuchtete, transparente Wege – oder um es anders zu sagen: Es geht um von Gott gesegnete Wege.
Ich glaube, wir sollten alle miteinander erneut Gottes Wort ernster nehmen. Seine Ordnungen konsequenter beachten, seine Tipps und Hinweise beherzigen und auch im Lebensalltag zur Anwendung bringen.

Vielleicht sollten wir wieder neu scheinbare Kleinigkeiten beachten. Denn es gibt nicht wenige Versprechen und Verheißungen, die auch auf dem Gehorsam von uns Menschen basieren.
Z.B. das 4. Gebot „Ehre Vater und Mutter“ – das mit der Verheißung „… auf dass du lange lebest im Lande …“ versehen ist.
Oder ich nenne die Heiligung des Sonntags.
Was hat sich da teilweise auch in unseren Reihen für eine Kultur eingeschlichen? Wo doch Gottes Wort auch hier eine deutliche Sprache spricht. Welchen tiefen Segen hat er auf das Achten und Beachten dieses Tages gelegt. Wobei ich hier auf keinen Fall einer kleinkarierten Gesetzlichkeit das Wort reden möchte.
Oder hat das Gemeindewachstum (Apg.2) nicht mit der echten, aufrichtigen und ehrlichen Liebe untereinander zu tun? Dazu gehört für mich auch das rechte feiern und halten des Abendmahls, und auch die organisatorische Gemeindeleitung nach Apg. 6, 1-7.

Gerne würde ich dieses Thema noch vertiefen – doch heute ist Hauptversammlung und da stehen organisatorische Dinge vorne an, die auch dazu beitragen, als Verein transparent und glaubwürdig zu sein.

So möchte ich schließen und frage in die Runde, frage dich persönlich:
Was bedeutet dir Gottes Wort?
Wo prägt es dich in deinem Alltag?
Wo prägt es entscheidend die Zukunft des CVJM, wo unsere Gemeinde in Sulz?

Mein Rat:
Lasse dir von diesem Wort „heimleuchten“, und zwar von dem, der gesagt hat:
„Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt der wird nicht wandeln in der Finsternis sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Joh. 8,12
Amen.

Übrigens: Wer hier einmal weiter forschen will, dem empfehle ich den Psalm 19 ab V 8 zu studieren. Hier gibt es zu dieser Auslegung ein ganze Menge weiterer Tipps und Hinweise.

Rolf Röhm

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