Die Rote Kuh und das Haderwasser

Heute beinhaltet beim Lesen der Jahresbibel das vierte Buch Mose zwei Stellen, die sehr schwer zu verstehen sind. Ich möchte dafür allen, die es interessiert, zwei Anmerkungen weitergeben:

1. Die Rote Kuh (Kapitel 19)
Michael Schneider von der NAI-Redaktion schrieb folgendes zur Sabbatlesung »Chukkat – Satzung«, die den Abschnitt ab 4. Mose 19,1 behandelt: »Zuerst lesen wir vom „Wasser der Reinigung“ als Entsühnungsmittel, das aus der Asche des Sühnopfers einer Roten Kuh (hebr. Parah Aduma) gewonnen wurde. Die Asche wurde aufbewahrt (19,9). Das Entsündigen einer Person, die sich durch den Kontakt mit einer Leiche oder gar eines Grabes verunreinigt hatte, war für den dritten und siebten Tag vorgesehen (19,19).

Über die Rote Kuh ist nur wenig bekannt, aber die jüdischen Weisen sagen, dass seit der Gesetzgebung bis heute nur neun Rote Kühe geopfert wurden. Das Opfer der zehnten Roten Kuh ist (nach Rambam) dem Messias vorbehalten. Die erste Rote Kuh wurde durch Mose selbst und den Hohenpriester Eleasar dargebracht. Zu Zeiten des Tempels wurde die Kuh außerhalb des Heiligtums geschlachtet und verbrannt – auf der östlichen Seite des Tempelbergs, wahrscheinlich auf dem Ölberg. Die reinigende Asche der Kuh wurde über mehrere Jahre hinweg verwendet. Heute laufen Versuchsreihen, z. B. auf Farmen in Atlit, um die Gene einer Roten Kuh zu isolieren, die kein einziges schwarzes Haar haben darf.«

Wer tiefer einsteigen will und die englische Sprache beherrscht, kann hier nachsehen:
http://www.templeinstitute.org/red_heifer/red_heifer_contents.htm

Das Tempelinstitut in Jerusalem trifft Vorbereitung, falls es einmal möglich sein wird, den Tempel zum dritten Mal aufzubauen. Prophezeiungen in der Bibel lassen darauf schließen, dass dies eines Tages geschehen wird.

2. Das Haderwasser (Kapitel 20)
Es ist nicht ohne weiteres erkennbar, warum Mose und Aaron bei der Begebenheit am Haderwasser von Gott so hart bestraft wurden. Was haben sie falsch gemacht? »Es gibt viele Vorschläge, wie man dieses Problem lösen könne: z.B. habe Mose den Fels zweimal geschlagen und auf diese Weise seinen Ärger verraten; oder: Mose habe sich selbst in den Mittelpunkt gestellt, als er sagte: Werden wir euch wohl Wasser hervorbringen können aus diesem Felsen? Das Volk habe Mose zu unbesonnenen Worten verleitet (vgl. Ps 106,32f), oder Mose und Aaron hätten nach dem Bericht der Kundschafter in ihrer Führungsrolle versagt (vgl. 5. Mose 1,37; 3,26; 4,21) […] Jedenfalls waren Mose und Aaron Jahwe in irgendeiner Weise zu nahe getreten.« (R. Brockhaus: Kommentar zur Bibel)
Michael Schneider wiederum meint, dass der Fehler darin bestand, dass Mose zweimal gegen den Felsen schlug (vor Wut?), anstatt nur zum Felsen zu reden, wie in Vers 8 befohlen.

Fazit
Soviel zu diese beiden Stellen, es ist nicht immer einfach, diese für uns doch fremde Welt der Gesetze und Opfervorschriften zu verstehen. Und doch hilft die Bibel uns auch hier, Gott besser zu verstehen, denn er ist viel größer als unsere Vorstellung von ihm. Denn ich bin mir ganz sicher: Gott ist immer derselbe – zu den Zeiten Mose, im Neuen Testament, heute und auch in Zukunft.

Timo Roller

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