Korrekturlack

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Technik und Elektronik mit raketenartiger Geschwindigkeit weiter entwickelt. Heute gibt es Computer, Laptops, Fotokopierer, Videos, Email, Internet und vieles andere mehr. Die Nachrichten und Informationen werden in Bruchteilen von Sekunden rund um die Welt verbreitet.

Wenn wir nur 30 Jahre zurückblicken, dann war von diesen modernen Medien und Datenträgern noch kaum was zu erkennen. Es gab zwar die Zeitung, den Rundfunk und das Fernsehen, jedoch waren diese Medien für Gemeinden und Gruppen einige Dimensionen zu groß und die Nutzung dieser Techniken war nur recht wenig Menschen möglich.

Wir waren daher in unserem CVJM sehr glücklich, als wir uns einen Umdrucker anschaffen konnten. Damit konnten wir Monatsprogramme, Liedblätter, Einladungen, Sitzungsprotokolle und vieles andere mehr in der notwendigen Menge vervielfältigen. Dazu musste eine Wachsmatrize angefertigt werden. An der Schreibmaschine wurde das Farbband ausgeschalten, damit die Buchstaben auf den Typhebeln die dünne Schicht der Matrize durchschlugen. Mit Metallstiften malte ich Grafiken usw. und gab mir sehr viel Mühe, damit alles ordentlich und gut wurde. Trotz aller Sorgfalt kam es immer wieder vor, dass mir Schreibfehler unterliefen oder ein Strich nicht so wurde, wie es hätte sein sollen. War die Matrize dann in den Umdrucker eingespannt und die schwarze Druckfarbe drang durch die eingegrabenen Schlitze und Punkte der dünnen Schicht, dann wurde plötzlich auf jedem gedruckten Blatt jeder Fehler sichtbar. Das war eine schreckliche Entdeckung.

War nun das ganze Werk nicht mehr verwendbar und nur noch in den Ofen zu werfen? Zum Glück gab es Korrekturlack. Das war eine rote Flüssigkeit in einer kleinen Flasche mit einem Pinsel, mit welcher die fehlerhaften Stellen betupft und auch überstrichen wurden. In wenigen Augenblicken waren sie getrocknet und die vermurksten Stellen beseitigt. Und welch Glück, nun konnten dort sogar die richtigen Buchstaben usw. eingesetzt werden.

Die nun gedruckten Blätter waren einwandfrei und niemand mehr merkte etwas von den Fehlern und Unvollkommenheiten meiner Arbeit. Manche Matrize hatte viele rote Punkte, aber die Empfänger der Informationen bekamen gute und fehlerfreie Blätter.

Diese Erfahrungen sind mir zu einem Bild für unseren Glauben und das Leben mit Jesus geworden. Jeden Tag beschreibe ich mit meinem Denken, Reden und Handeln mein Leben wie eine Matrize. In der Regel gebe ich mir zwar viel Mühe, dass ich meine Aufgaben gut erfülle. Ich möchte meinem Mitmenschen freundlich begegnen und ihm gute Worte sagen. Aber dann ist es mir wieder nicht gelungen. Er hätte ein gutes hilfreiches Wortgebraucht und ich habe geschwiegen. Ein Brief oder ein Telefonanruf wären nötig gewesen und ich habe nichts getan. Meinen Ärger über den Bruder in der Gemeinde habe ich nicht ihm gesagt, sondern mit anderen Leuten besprochen. Oder da war das Schild der Geschwindigkeitsbeschränkung an der Straße, das ich missachtet habe und mich und andere dadurch in Gefahr brachte. Da ist auch die Notlüge, mit der ich mich aus einer unangenehmen Lage herausredete, die aber doch eine Lüge war.

Diese Liste könnte ich noch lange fortsetzen. Viele Fehler, viel Schuld, viel Versagen gräbt sich tagtäglich in die Lebensmatrize ein. Zu nichts mehr ist sie, bin ich zu gebrauchen. Es wäre zum Verzweifeln, wenn nicht mein und dein Heiland Jesus Christus käme und mir und dir unzweifelhaft sagen würde: »Für dich und deine Schuld habe ich gelitten und geblutet. Auch wenn deine Sünde blutrot wäre, so will ich sie doch schneeweiß machen. Und da ist es, wie wenn Jesus all die fehlerhaften Stellen der Matrize mit seinem Blut bestreicht und sie nicht mehr zu sehen sind. Das Blut Jesus Christi des Sohnes Gottes macht uns rein von aller Sünde.

Und dann ist es sogar möglich, dass diese Felder nochmals neu beschrieben werden können. Auch in deinem und meinem Leben. Längst hätten wir nichts mehr zu sagen, wenn nicht Jesus mit seinem »Korrekturlack«, mit seinem Blut all den Schaden gut gemacht hätte, den wir anrichteten. Nur deswegen kann eine Ehe, eine Familie, ein Hauskreis, eine Gemeinde leben, weil es das Blut Jesu gibt, das ER in seiner grenzenlosen Liebe für uns Menschen vergossen hat. Lasst uns IHN rühmen, IHM danken und IHM die Ehre geben auch jetzt an diesem Tag. Ich denke, sonst haben wir nichts zu rühmen.

Und als so in Ordnung gebrachte Menschen, können wir alle fröhlich und zuversichtlich an unserer Arbeit weiter machen, wo immer wir auch stehen. Das Belastende ist bereinigt und vergeben, der neue Freiraum ist geschaffen. Auch wenn der alte Umdrucker mit seinen Matrizen bei uns im CVJM längst nicht mehr benutzt wird und neuen modernen Techniken Platz machen musste. Auch wenn der rote Korrekturlack für seinen guten Dienst nicht mehr gebraucht wird, Jesus wird bleiben und sein Blut wird Gültigkeit haben bis er wiederkommen wird. Jesus Christus gestern und heute und in alle Ewigkeit. Amen.

Friedrich Schechinger
(erstmalig veröffentlicht: Februar 2003)

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