Unglückstag 7

Flug 3107 - in 10 Tagen um die Welt

Pressesprecher der „JuLa-Airline“ äußern, dass man wohl der bitteren Wahrheit ins Gesicht schauen muss … lesen Sie Tag 8 der Lagerstory!

Ein tödlicher Schrecken und „Freitag“

Weitere Stunden, Tage, Wochen, Monate, ja vielleicht Jahre vergingen. Seit unserer Ankunft versuchten wir einen Kalender zu führen aber irgendwann haben wir den Überblick und jegliches Gefühl für Zeit verloren. Wie alt war ich? Wie lang sind wir jetzt schon hier?

Bogdan hatte sich nach seiner Krankheit erholt, es war wohl eine Art Fieber. Inzwischen konnten wir weitere Ziegen fangen, so dass wir jetzt sieben Ziegen unser Eigen nennen durften. Die Milch stärkte uns noch mehr, so dass wir begannen uns immer heimischer zu fühlen.
Inzwischen hatte Robinson eine genauere Erkundung unserer Insel geplant, er wollte den Fluchtplan ausreifen und besonders die Küste unserer Insel untersuchen. Im letzten Teil der Regenzeit konnten wir einen Einbaum herstellen mit dessen Hilfe wir nun diese Küstenexpedition durchführen konnten. Am 9. Tag nach der Regenzeit befand Robinson die Sicht und die sonstigen Bedingungen für optimal, so dass wir uns auf den Weg machten die Insel zu umrunden. Jeder Arbeitsschritt und die Vorgehensweise waren von Robinson genau geplant worden. Sogar Essensvorräte und Wasser nahmen wir mit. Wir hatten zwar die Insel sehr gut kennen gelernt, jedoch der entgegen gesetzte Teil der Insel, war uns quasi fremd. Die tückischen Strömungen machten uns jedoch das Leben schwer. Je weiter wir nach Süden kamen, desto üppiger wurde die Vegetation. Orangen, Zitronen und andere Früchte luden zu einem Landgang ein, schließlich steuerten wir unseren Einbaum in eine, kleine, sandige Buch, warfen unseren Anker und sprangen von Bord. Ich ging die ersten Schritte im neuen Teil, blickte zu Boden und erstarrte: Vor mir war eine frische Fußspur! … Waren wir gerettet? … Gab es hier doch Zivilisation? Im gleichen Moment stieg mir ein Geruch in die Nase, es roch nach Verbranntem! Hatte ich beim heutigen Kochen etwa Glut in meiner Feuerstelle übersehn? Hatte sie sich etwa von selber entzündet?

Wir konnten eine Art Singsang aus südlicher Richtung hören! Robinson schnappte mich und Bogdan am Arm und wir rannten in Richtung Böschung und versteckten uns hinter einigen Büschen. Robinson trichterte uns durch Fingerzeig ein leise zu sein. Langsam schlich er in Richtung wo der Singsang zu hören war. Ich folgte ihm, deutete Bogdan jedoch an, er solle die Stellung halten. Robinson und ich schlichen vorwärts in Richtung Feuer. Nie zuvor hatte ich mich so bewegt … jeden Schritt setzte ich bedacht und geräuschlos. Und dann standen wir auf einem kleinen Hügel mit freiem Sichtfeld … Wir waren entsetzt: Nackte, bemalte, federgeschmückte, heulende Wilde tanzten um ein Feuer. Eine Zeit lang war ich wie gelähmt. Waren diese Wilden unsere unmittelbaren Nachbarn oder kamen sie den weiten Weg über das Meer um ihre Feiern hier abzuhalten. Allmählich siegte meine Zuversicht: Vielleicht waren es friedliche Insulaner, die uns Schiffbrüchigen zur Hilfe kommen würden. Robinson holte mich aus meinen Tagträumen und stieß mich an. Mit seinem Zeigefinger wies er mich auf eine Stelle neben dem Feuer hin. Geschockt wie nie zuvor wandte ich mich ab: Da lagen die Überreste von mindestens zwei Menschen! Ich sah Schädel, abgenagte Knochen, ja auch Reste von verwestem Fleisch. Mein Blick schweifte weiter in einem Boot sah ich zwei gefesselte Schwarze. Ich hielt mit Robinson Augenkontakt und plötzlich durchzuckte es mich wie ein Blitz! Ich wollte es nicht wahrhaben, zwei dieser Wilden waren gerade dabei einen der ihren, wie es schien zu schlachten. Ich wollte mich vor Ekel abwenden. Da sah ich im gleichen Moment, wie ein Schwarzer, der keinen Kopfschmuck trug, davonrannte. Offensichtlich war auch er dem Tode geweiht, denn zwei der Kannibalen nahmen die Verfolgung auf, während die anderen in aller Gelassenheit das Schlachtritual verfolgten. In diesem Moment, geschah etwas in mir, was mich im Nachhinein sehr verwunderte: Statt Angst, packte mich die Wut. Ich wollte eingreifen. Ich wollte diesen armen Menschen retten, der um sein Leben rannte. Mit einem Prügel, den ich mir zuvor nahm, schlich ich mich an und schnitt ihnen den Weg ab, als die drei Gestalten an mir vorbei waren, stürmte ich heraus. Jetzt ging es um Leben und Tod. Ich traf den letzten der Verfolger mit einem satten Schlag am Kopf, dieser ging sofort zu Boden. Ich drehte mich um und sah mit Schrecken, dass dem Flüchtenden offenbar die Puste ausgegangen war. Der Verfolger war nun unmittelbar hinter seinem Opfer … er schwang sein Beil. Doch plötzlich war ein lautes Surren gefolgt von einem ohrenbetäubenden Schlag gefolgt, zu hören und im Himmel konnte man eine rote Leuchtfontäne sehen. Voller Ehrfurcht blieb der Verfolger stehen und ging langsam Schritte rückwärts. Der Verfolgte sprang schnell in ein Gebüsch ganz in der Nähe wo Bogdan sich versteckt hatte. Jetzt kam es mir, Bogdan musste mit der Signalpistole in den Himmel geschossen haben. Mit einem Satz drehte sich der Verfolger um und sprintete Richtung Feuerstelle, sah seinen zu Boden gegangenen Kollegen, zog diesen schnell hinter sich her. Ich folgte ihnen im Dickicht des Gebüschs, bis ich wieder neben Robinson war. Kaum am Feuer angekommen schrie der Verfolger wie wild um sich, dabei kniete er nieder und forderte die anderen auf, es ihm nachzutun. Alle knieten nieder und stimmten in einen Singsang ein. Plötzlich bemerkte ich Bogdan links von mir, er tuschelte kurz mit Robinson und schoss erneut, jeder der Wilden erschrak aufs Neue und mit einem Satz machten sie sich auf den Weg zu ihren Booten und ruderten in Windeseile davon.

Als sie im sicheren Abstand weg waren, trauten wir uns aus unserem Versteck heraus zu kriechen. Glücklich dass nicht passiert war, umarmten wir uns und sprachen uns gegenseitig Mut zu. Jedoch fiel Robinson schnell auf, dass wir nach dem Entflohenen schauen sollten. Als wir zu seinem Versteck kamen, starrten uns zwei weit aufgerissene Augenpaare an. Robinson näherte sich ihm „wir tun dir nichts!“ … Unser Gegenüber schien ebenfalls verunsichert. Er stieß komische Laute von sich und begann zu gestikulieren. Irgendetwas wollte er uns klar machen. Ich machte mit meinen Händen eine Geste, die ausdrücken sollte, dass ich nichts verstand. Nun geschah Seltsames: Der Fremdling kam auf uns zu und bei jedem Schritt verbeugte er sich und sprach etwas in seinem Kauderwelsch, er kniete direkt vor Robinson, griff nach seinem Fuß und verharrte in einer ungewöhnlichen Stellung.

Mr. Robinson machte ihm und uns klar, dass wir zurück zum Fort gehen sollten, ich bereite ein wahres Festmahl zu. Apropos Fest, dieser Vorschlag kam von Bogdan, der sagte wenn in Rumänien jemand knapp dem Tod entkommen sei, muss ein Fest gefeiert werden. Es soll zur allgemeinen Belustigung dienen und den Gemeinschaftssinn der Gruppe steigern. Bei diesem Fest musste jeder von uns etwas vormachen und die Besten wurden belohnt. Mich erinnerte es an „Deutschland sucht den Superstar“ und deshalb nannte ich es „Insel sucht den Superstar“. Wir sahen einen sehr gewöhnungsbedürftigen Tanz von unserem Wilden, Robinson sang schwedische Holzfäller-Lieder, Bogdan jonglierte und mir fiel nix anderes ein, als mit meiner berüchtigten Lagerfeuer-Trommel etwas vorzuspielen. Wir hatten uns lange nicht mehr so amüsiert!

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