Von Timo Roller
296 Besucher waren zum »Lebendigen Krippenspiel« des CVJM Sulz am Eck gekommen. Für jeden Statistiker und Journalisten ist es ein Traum, wenn eine Veranstaltung mit einer Volkszählung – nämlich der des Kaisers Augustus – beginnt: Durch ein Portal ging es auf das Feld, auf dem die Hirten zusammen mit Jule Bauer aus Wildberg und ihren vier echten Schafen lagerten und wo wenig später Irmgard Dreher-Scheel als Engel erschien und die »große Freude« verkündete.

Nach der ersten stimmungsvollen Szene – musikalisch umrahmt vom Posaunenchor – ging es für die ganze Schar hinein ins Dorf, es schlossen sich immer wieder weitere Besucher an. Alle Mitwirkenden und Helfer um die Hauptorganisatoren Christoph Dreher und Walter Dengler mitgezählt, waren sicherlich mehr als 350 Menschen auf den Beinen.
Das »Lebendige Krippenspiel« fand nach 2009 zum zweiten Mal statt. Das »Revival« orientierte sich eng an der legendären Aufführung vor 16 Jahren, auf Kamele, Esel und Schnee musste dieses Mal allerdings verzichtet werden. Trotzdem war auch die Neuauflage eine sehr eindrucksvolle Veranstaltung und das milde Wetter lockte im Vergleich zu damals deutlich mehr Besucher an.
An der nächsten Station betraten Maria und Josef die Bühne, Martin Dengler ist waschechter Zimmermann wie das Original vor 2000 Jahren, jedoch mit echtem schwäbischen Dialekt. Seine Schwester Leonie spielte die schwangere Maria. Mit viel Schauspielerfahrung hatte sie sich als Kontrast für die hochdeutsche Sprache entschieden.

Die Suche nach einer Unterkunft in der »Stadt Bethlehem« gestaltete sich schwierig: Die nach zwei geschichtsträchtigen Sulzer Wirtschaften benannten Herbergen »Schiff« und »Rössle« lehnten die Bitten der Reisenden aus Nazareth rigoros ab.
Unterhalb des steilen Dinkelackers angekommen, stieß das große Publikum dann auf die Könige aus dem Morgenland, Samuel Proß, Hini Rathje und Timo Schechinger, die aufgrund ihrer astronomischen Berechnungen über den verheißenen Messias nach dem Stern von Bethlehem Ausschau hielten. Diesen fanden sie in der Brühlstraße direkt unter der Straßenlaterne.

An der sechsten Station lauschten die Besucher dann dem Gespräch zwischen zwei Wirtinnen, eine von ihnen – Andrea Röhm – offensichtlich sehr abweisend gegenüber armseligen Auswärtigen, die andere viel freundlicher und mit der leisen Ahnung, dass die Familie, die inzwischen in ihrem Stall Zuflucht gefunden und ein Kind geboren hatte, wohl etwas ganz besonderes sei. Sogleich eilte Darstellerin Friedlinde Gärtner davon und lud die Menge ein, ihr auf dem Weg zum Dorfplatz zu folgen.

Die Tore des Stalls von Familie Mittmann waren weit geöffnet, die Heilige Familie hatte unter dem leuchtenden Stern Platz genommen, die Hirten und die Schafe waren auch schon da. Die Könige kamen hinzu und brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe. Das wichtigste Geschenk, das man dem Jesuskind bringen könne, sei jedoch das eigene Herz, erkannte Hirte Simon Proß. Der Sohn Gottes und das Licht in der Finsternis ist in die Welt gekommen – und auch mitten nach Sulz zu all den Menschen, die nun mit Kerzen ausgestattet ein funkelndes Lichtermeer ergaben und zusammen mit dem Posaunenchor anstimmten:
»Tragt in die Welt nun ein Licht. Sagt allen: Fürchtet euch nicht. Gott hat euch lieb, groß und klein. Seht auf des Lichtes Schein!« – Bei der »Volkszählung« am Anfang hatte jeder der 296 einen QR-Code fürs Handy bekommen, um die Lieder mitsingen zu können.

